Karin Pliem

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Christine Wetzlinger-Grundnig
Karin Pliem. Vieleinigkeit. Installation im Kunstraum Burgkapelle, Museum Moderner Kunst Kärnten

Nach ihrer künstlerischen Ausbildung führten Karin Pliem zahlreiche Studienreisen und Aufenthalte von Europa nach Amerika, Afrika, Asien und Ozeanien bis in den Südpazifischen Raum. Die Künstlerin sammelte auf ihren Feldforschungen auf den verschiedenen Kontinenten Eindrücke der unterschiedlichen Länder, ihrer spezifischen Landschaften, Geschichten und Kulturen. In ihren malerischen Werken verbindet sie diese zu überwältigenden, lebendig-überbordenden Bildern. In einem System von Addition und Schichtung entstehen äußerst dichte Kompositionen mehrerer sich verschränkender Bildebenen, in denen sich Vertrautes und Fremdes, Heimisches und Exotisches, botanische Elemente, allerlei Kreatürliches sowie kulturelle

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Lucas Gehrmann
Karin Pliems „Biocultural Community“

So wie der chinesische Drache als ein „Hybrid“ aus vielen Tieren und Wesensformen durch die Lüfte und Gewässer gleitet, mal Feuerwolken speit und mal Fruchtbarkeit und Glück verbreitet, so vielgestaltig-gegensätzlich sind die Protagonisten in Karin Pliems „floralen Kosmologien“1: Blüten, Früchte, Lebewesen aus unterschiedlichen Weltregionen und Habitaten – viele davon sind natürlichen Ursprungs, manche vom Menschen gezüchtet, einige der künstlerischen Phantasie der Malerin entsprungen. Sie sind vermengt mit Versatzstücken anorganischer Natur – wie etwa indigenen Kultobjekten, Fragmenten antiker Skulpturen oder synkretistischen Architekturelementen. Ähnlich wie bei der

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Belinda Grace Gardner. Suchbilder des Seins

Die floralen Kosmologien von Karin Pliem ziehen den Blick hinein in unergründliche Tiefen. Das Auge durchstreift ein scheinbar endloses, verschlungenes, opulentes Terrain aus Blüten und Dolden, Gräsern, Früchten und Lianengewächsen, Mycelen und Moosen. Hinter aufspringenden Blättern, Blumen, Ranken und Farnen schießen ständig weitere Pflanzen hervor, zwischen denen angedeutete Artefakte, afrikanische Figurinen und Masken, die Umrisse von Architekturen, ein Triumphbogen etwa und andere gebaute Strukturen, Tierköpfe und quallenartige Tentakel wie die Überreste einer untergegangenen oder die Anzeichen einer gerade erst im Entstehen begriffenen Welt lugen. Die

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Lucas Gehrmann
Natura morta vivente – con bravura or misteriosa, manchmal auch: con calamari.
Karin Pliem‘s Symbiotic Unions als holobiontische Stillleben

Karin Pliem‘s Symbiotic Unions als holobiontische Stillleben*. Das Stillleben heute ist kaum noch still. Über fast vier Jahrhunderte hinweg hatte dieses Genre als bedachtsam komponierte „Natura Morta“ – tranquillo e pensieroso – an die Vergänglichkeit des Lebens, der Dinge und all unseres Strebens gemahnt. Dass dann die Bilder laufen lernten und forthin – accelerando – von Filmleinwänden über Röhrenfernseher, Video- und Flatscreens bis auf jedes mobile Display hüpften, auf dem wir sie heute manuell wischend voran und – presto possibile – wieder weg von uns

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Lucas Gehrmann in: Karin Pliem: Symbiotic Unions

Der Titel dieses Buches – und zugleich auch derjenige einer 2016 begonnen Werkgruppe Karin Pliems – ist einer naturwissenschaftlichen Debatte um die Entstehung der Artenvielfalt und die natürliche Selektion entlehnt. In ihrem 1998 erschienenen Buch Symbiotic Planet: A New Look at Evolution1 kam die US-amerikanische Genetikerin und Zellbiologin Lynn Margulis zu dem Schluss, dass „sämtliche Bewohner unseres Planeten einer symbiotischen Union angehören“.2 Ausgehend von ihrer schon Ende der 1960er Jahre vorgelegten Seriellen Endosymbiontentheorie3 konstatierte sie, dass die treibenden Kräfte hinter der Evolution weniger zufällige Mutationen

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Ludwig Seyfarth, „Eine Weltgesellschaft der Blumen“

Was wir auf Karin Pliems Gemälden abgebildet sehen, sind zunächst vegetabile Formen, vor allem Blumen. Ohne botanisches Wissen können wir allerdings nur erahnen, dass es sich um Pflanzen aus unterschiedlichsten Regionen und Ökosystemen der Welt handelt, die auf einem Bild versammelt sind. Aus der Kunstgeschichte kennen wir Zusammenstellungen und Arrangements von Blumen aus der Tradition des Stilllebens, innerhalb derer sich das Blumenstillleben von den Niederlanden ausgehend um 1600 weithin etablierte. In einer Vase arrangierte Blumen finden wir zunächst klar geordnet vor dunklem Hintergrund etwa bei

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Kurt Kladler, „Inscapes“

Fahlfarbige Blüten, zerstiebende Farben, wirbelnd ausgestreut und zu Formen verdichtet, bieten sie dem Schausinn ein Fest. In der Abfolge des Eintauchens von Bild zu Bild gleicht es einem Rausch, in dem uns Rhythmen des Wachsens sowie das Pulsieren von Farben und Formen selbstverloren tragen. Und wenn wir schwebend in die Gegenwart des Empfangens gerückt werden, so bewirkt die Malerei von Karin Pliem diesen Zustand aus sich selbst heraus. Sie erzeugt ein Rauschen, berauschend und rauschend zugleich; rauschend im Sinne von Schwebungen und Interferenzen, die sich

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Margit Zuckriegl, „Das Naturschöne und das Kunstschöne“

Mit der Entdeckung der Natur als Topos der künstlerischen Formulierung im 19. Jahrhundert war stets die Idee verbunden, dass das „Natürliche“ an sich „schön“ sei. Die Natur kann nichts Unschönes hervorbringen, ob Vegetation, Kristallformationen oder Luftspiegelungen. Aus dem Vokabular des Naturschönen wurden Zitate in die Kunst implementiert, um damit Intention und Zielrichtung des ästhetisch orientierten Schaffens zu legitimieren und mit Gefühlsvaleurs aufzuladen: windzerzauste Bäume stehen für die zagende Seele, goldene Sonnenuntergänge für Leben und Tod, Walddickicht für die Wirrnisse der menschlichen Existenz und Blumen für

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Vanessa Joan Mueller, Extract from: Booklet , Kunsthalle Wien (publisher),
Vienna 2015, p. 26

Karin Pliem Nature and culture are productive opposites. While the former represents the original, the unspoiled, the latter is considered its transformation, if not its transcendence. The relationship between nature and culture is not however one of antagonism, instead they are virtually dependent on one another. Art likes to play them against one another, although at best, as an abstract system of representation itself, it can merely simulate the concept of naturalness. Karin Pliem’s painting brings together creatures from diverse parts and ecosystems worldwide and

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Karin Pliem, Concursus naturae

Auf meinen Leinwänden erörtere ich potenzielle Übereinkünfte von Natur und Zivilisation, indem ich bildlich transformierte Darstellungen verschiedenartiger Lebewesen aus unterschiedlichen Ökosystemen und Weltregionen in jeweils differente Konstellationen bringe. Auf- und verblühende Gewächse aus Tropenwäldern, Alpentälern oder botanischen Gärten können hier mit transgenen Pflanzen, Wassertieren oder auch mit im Malprozess neu geschaffenen Blüten-Hybriden zusammentreffen. So entsteht eine Natur, die es von Natur aus nicht gibt – soferne wir den Mensch mit seiner zivilisatorischen Umtriebigkeit nicht als Teil der Natur erachten: Kreuzungs- und Gentechniken lassen gleichermaßen neue

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Lucas Gehrmann
Karin Pliem: Konvolutionen (2014)

Karin Pliem zeigt uns eine Natur, die es von Natur aus nicht gibt: auf ihren Leinwänden treffen verschiedenartige Lebewesen aus unterschiedlichen Ökosystemen und Weltregionen zusammen, auf- und verblühende Gewächse aus Tropenwäldern und Alpentälern mit transgenen Pflanzen, mit Meeres- und Süßwassertieren oder auch mit im Malprozess neu geschaffenen Blüten-Hybriden. Alles floriert, fließt, morpht und expandiert in Karin Pliems Kunst-Biotopen, entfaltet sich zu intensivem Farb- und Formenreichtum, konkurriert und kommuniziert gegen- und miteinander simultan auf mehreren Raumschichten. Diese Natur, die es von Natur aus nicht gibt, gibt

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Lucas Gehrmann
Zwei Mitten. Karin Pliems Malerei als Multilog zwischen Wir und Ich

„Immer wieder auf der Suche nach der Mitte“, notiert Karin Pliem 2011 in ihr Reisetagebuch auf der thailändischen Insel Kho Ngai, an deren Stränden sie angeschwemmte Korallenfragmente, vom Wasser erodierte Samenkapseln und Kokosnussschalenrelikte sammelt und zwischendurch getupfte Blätter findet, deren „wunderbares Aussehen diese nach genauerer Betrachtung nicht von der Natur, sondern von angeschwemmten Erdölresten“ erhalten haben. Auch zivilisationstechnisch kontaminierte Natur-Funde solcher Art finden Einlass in ihre botanisch-zoologische Sammlung und später in ihre Bilder, um dort an der für die Künstlerin zentralen Frage der Übereinkünftlichkeit von

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Karin Pliem
Auf der Suche nach der Mitte, Notizen aus meinem Reisetagebuch Thailand 2011

Notizen aus meinem Reisetagebuch Thailand 2011 Wo ist die Mitte, es fehlt die Mitte im Bild. Die Mitte bin ich. Immer wieder auf der Suche nach der Mitte. Immer diese Spannung. Der Raum ist nicht das Problem, ist sowieso alles da, wie vorgegeben, immer wieder aufs Neue vorgegeben. Stellt sich nurmehr die Frage der Gestaltung. Die Mitte, Zentrum, Ausgangspunkt für alles. Zusammenhalt. Das Bild muss zusammengehalten werden. Fast immer ist es ein langer Weg zur Mitte, immer wieder ein Öffnen des sich Selbst. Habe einiges

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Matthias Boeckl
Leben, Sein und Kunst, Zur Malerei von Karin Pliem (2010)

Karin Pliems Malerei berührt den Betrachter auf eine unmittelbare und ursprüngliche, gänzlich unerwartete Weise. Ohne jeden Umweg blickt man direkt in eine betörende Bilderwelt des Blühens und Vergehens. Bekannte und fremdartige Pflanzenformen schweben in einem undefinierbaren Bildraum ohne Tiefe, oft nur angedeutet von Wolken und diffusen weißen Schleiern. Erregende Violett-Töne stehen neben Altrosa und Bernsteingelb, durchwachsen von hellem Blau und tiefem Karmin. Blätter entfalten sich und verwelken, bilden in der Bildmitte ein kraftvolles Energiezentrum. Das Betrachten dieser Bilder löst fast euphorische Lustgefühle aus. Und das

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Wolfgang Hilger

Wenn man – wie der Autor – etliche Jahrzehnte im Bereich der bildenden Kunst gearbeitet hat und dabei das Kommen und Gehen von oft nur kurzlebigen Tendenzen und Attitüden über sich ergehen lassen musste, wird man – so man nicht vom unverbesserlichen oder naiven Fortschrittsglauben erfüllt ist, wonach das Neue stets das Bessere sei – in der Beurteilung dessen, was einem vor Augen kommt, vorsichtig, zurückhaltend, oft auch skeptisch, bisweilen sogar unsicher sein, und das trotz – oder gerade wegen? – langer Erfahrung. Unweigerlich stellt

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Axel Steinmann
BILDER VOM FLUSS DER DINGE (2007)

In eine neue Gestalt verwandelte Wesen will ich besingen. Ihr Götter, seid gnädig meinem Beginnen, denn ihr habt ja auch jene verwandelt, und leitet meinen Gesang vom Urbeginn der Welt ununterbrochen fort bis auf meine eigene Zeit. Ovid: Metamorphosen I 1-4, Vorrede 1 (Übers.: Gerhard Fink, 1989) 1. FREMDLAND Das Risiko der Abgrenzung des eigenen Territoriums, der mangelnden oder fehlenden Motivation, andere Landschaften zu erkunden, um die »wilden Früchte«, von denen der Renaissancephilosoph Michel de Montaigne in seinen Essais sprach, zu ernten, ist Sterilität. Oder

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Annemarie Schermer

In den Bildern von Karin Pliem kommen die kleinen Wunder des Alltags in den Blick: der Mikrokosmos einer Frucht, gläsern schimmernde Fischkörper, die Klarheit der Blattstruktur oder die artifizielle Ästhetik einer Blüte. In besonderer Weise lenken die großformatigen Stillleben die Betrachterneugier auf sich: opulent farbige Objekte werden virtuos herangezoomt, so als würden sie haptisch wahrnehmbar. Zugleich aber ist die Größenrelation neu bestimmt und der natürliche Maßstab der Dinge aufgelöst. Die schnelle Wahrnehmung hat scheinbar Vertrautes vor sich, wer genau hinsieht, erkennt jedoch, wie fein hier

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Klaus Albrecht Schröder Karin Pliem (2004)

Karin Pliem malt Stillleben – was einen seltsamen Effekt zeitigt: Blumen überlebensgroß, eine Melone überlebensgroß zu malen, das bedrängt, und es bedrängt umso mehr, als all diese Stillleben den Rahmen zu sprengen scheinen. Sie sprengen, überschneiden den Rahmen – es gibt keinen Raum, es gibt keine Tischplatte, es gibt keine Ebenen, keine Horizontalen auf denen die Stillleben liegen, es gibt keine Vasen, aus denen die Blumen stoßen würden. Es ist tatsächlich der Gegenstand als solcher, der explosionsartig wie ein „all over pattern“ – daran erinnern

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